Jeder Serrano-Schinken muss vor der Trocknung und Reifung manuell mit einem Etikett versehen werden, das ins Fleisch injiziert wird. Dabei darf der Bediener nicht den Knochen treffen. Ein spanischer Robotik-Spezialist hat diese Aufgabe nun erstmals vollständig automatisiert – mit Künstlicher Intelligenz und einem Stäubl Roboter.
Jeder Serrano-Schinken muss mit einem Etikett versehen werden, damit sein Aufenthalt in den verschiedenen Trocknungskammern steuerbar und rückverfolgbar ist. Bis vor Kurzem ließ sich das Etikettieren nicht automatisieren – aber jetzt: Ein Stäubli Roboter injiziert bis zu 900 Etiketten pro Stunde in die Schinken, ohne den Knochen zu treffen. Die richtige Position wird mit KI-gestützter Bildverarbeitung bestimmt.
Ein mittelgroßer Hersteller von Serrano-Schinken kann pro Werktag mehr als 5000 Schinken verarbeiten. Dazu gehört auch das Injizieren eines individuellen Etiketts, das den Schinken bei seiner bis zu achtzehn Monate dauernden Reise durch die verschiedenen Trocknungs- und Reifekammern begleitet und seine Identifikation erlaubt.
Die Herausforderung: Bis zu 40 Gewichts-Prozent des Schinkens sind Knochenmasse, in die der Etikettenhalter nicht eindringen kann. Und da es sich um ein Naturprodukt handelt, ist die Position des Knochens bei jedem Schinken eine andere. Das Etikettieren setzt somit sowohl Erfahrung als auch nicht zu unterschätzende Körperkraft voraus. Deshalb bestand schon lange der Wunsch, diesen Arbeitsschritt zu automatisieren – der aber nicht realisiert werden konnte, weil sich die individuelle Position des Knochens im Schinken nicht mit der erforderlichen Geschwindigkeit und Genauigkeit bestimmen ließ.
Timpolot, ein Automatisierungsexperte mit Sitz in Olot – einem Zentrum der Fleischproduktion in Ostspanien – hat jetzt eine prozesssichere Lösung für diese Aufgabe gefunden. Sie besteht aus einem Stäubli Roboter, der mit einem Etiketten-Applikator und einem KI-gestützten Bildverarbeitungssystem kombiniert ist. Jordi Bassols, Gründer und Geschäftsführer von Timpolot, erläutert den Prozess: „Die Schinken werden manuell und in ungeordneter Reihenfolge auf ein Förderband gelegt. Ein Bildverarbeitungssystem identifiziert ihre Position und ermittelt mithilfe von Algorithmen und unterstützender KI den idealen Etikettierpunkt im Fleisch, den der Roboter dann präzise anfährt.“
Währenddessen hat ein Drucker ein Kunststoffetikett vorbereitet, das der Roboter mit einem pneumatischen Befestigungsapplikator aufnimmt. Geleitet von den Koordinaten der Kamera bringt er die nadelförmige Halterung des Etiketts in den Schinken ein – ohne auf einen Knochen zu treffen und somit ohne das Risiko eines Nadelbruchs.
Die erste Anlage dieses Typs ist bei einem großen Hersteller von Serrano-Schinken im Einsatz. Der SCARA Roboter, ein Stäubli TS2-80 he, verarbeitet zwischen 150.000 und 180.000 kg Schinken pro Tag, mit einer kontinuierlichen Leistung von 750 Stück pro Stunde und Spitzenwerten bis 900 Stück. Die Zykluszeit beträgt somit nur vier Sekunden.
“Mit dem automatisierten Etikettieren adressieren wir mehrere Aspekte: erstens die Verbesserung der Arbeitsqualität und des Gesundheitsschutzes sowie die Möglichkeit, dass sich die Bediener höherwertigen Aufgaben widmen können; zweitens eine bessere Rückverfolgbarkeit durch das zentrale Verwalten der Daten. Selbstverständlich sind dabei die einschlägigen Hygiene-Anforderungen gewährleistet.”
sagt Jordi Bassols, Gründer und Gechäftsführer von Timpolot
TS2-80
Der TS2-80 bietet eine höhere Reichweite und hohe Präzision mit einem hygienischen IP65-Arm und eignet sich ideal für Anwendungen im mittleren Leistungsbereich. Reichweite 800 mm, Nutzlast 8,4 kg.
Hygienegerechte Roboter und für feuchte Umgebung
Die Roboterbaureihen Humid Environment sind für den Einsatz in Feuchträumen geeignet und heute Benchmark für die Lebensmittelindustrie und Bauteilereinigung.